Athletik Waldniel 1989 e.V.

TORTOUR DE RUHR 2026 / Alex

Adieu Edition TTdR Bambini 100 Kilometer, 24.05.2026

Ein Erlebnisbericht von Alex

Auf einen Blick
Distanz: 100 km Start Herdecke, Ziel Rheinorange Duisburg
Gesamtzeit: 18 Stunden 18 Minuten
Wetter: Nachts 15 Grad,tagsüberSonnig, bis zu 29 Grad
Startzeit: 0:00 Uhr Herdecke, Zieleinlauf 18:18 Uhr Duisburg
Läufer: Alexander Doffek, zum Zeitpunkt 46 Jahre alt
Die Crew: Michi, Janine, Stefanie+Rainer, Christian und Marijke, Lothar, Tomme
Veranstalter: Jens Witzel / TTdR 2026 Adieu Edition

Vorgeschichte

Die Planung ab Januar 2025

Warum mache ich das eigentlich?

Ich habe immer den Standpunkt vertreten, 42,195km und keine verf… Meter mehr!

Warum also Ultra? Als ich 2024 Axel begleitet habe auf seinen letzten 30km, war ich beeindruckt. Von seiner Resilienz, von der Sturheit, von der reinen Ausdauer. Wollte ich das selbst erleben? Nö eigentlich nicht. Bis dann die Nachricht kam: Adieu Edition, die letzte Tortour wird 2026 stattfinden. Danach ist es vorbei, nach 20 Jahren. Will ich mir das dann entgehen lassen?

Eine Eigenart dieser Ultras ist es, sich nicht einfach anmelden zu können. Man muss eingeladen werden und nachweisen, dass man körperlich fähig ist, diese Distanz am Stück zu bewältigen.

Bei solchen Sachen juckt es mich dann ehrlicherweise. Also habe ich an Jens, den Veranstalter, eine Mail geschickt. Ich bin Alex, von Athletik Waldniel, Empfehlung von Axel.

Das hat dann schon gereicht, und ich war drin.

Aber wie bereitet man sich auf so einen Lauf vor? Möglichst, ohne das sonstige Privatleben völlig aufzugeben. Also dachte ich mir, ab Januar 2025 jeden Monat 1 Marathon. Mindestens. Das wir mitunter weh tun. Und mich an Grenzen bringen. Physisch und psychisch. Also genau das, was mich bei der Tortour erwartet!

Ich zähle hier jetzt nicht sämtliche (18) Marathonläufe auf, sondern kürze es auf die heiße Phase. März 2026, als Generalprobe, Königsforst Ultra Marathon über 63km, 3 Runden zu je 21km. Vulkanmarathon, Mto, Athletik30er als BacktoBack Ende April, danach tapern. Alles gut geklappt, Materialtest top, keine Probleme mit Gelenken, Blasen oder sonstiges.
Das Team musste noch gestellt werden und der Zeitplan.

Die Crew

Dreh und Angelpunkt: Michi. Mein Fels in der Brandung. Ohne sie wäre das absolut unmöglich. Ihre Bereitschaft, sich meiner blödsinnigen Idee unterzuordnen und das allein schon zu dulden, nötigt den größten Respekt ab. Denke die mag mich wirklich 😉

38km durch die Nacht: Janine. Sie hat den Pacific Crest Trail gewandert, hat Erfahrung durch die Nacht zu navigieren und war die erste und einzige die sich bereit erklärt hat, den ersten Abschnitt ab Mitternacht zu übernehmen.

14km Morgengrauen und Sonnenaufgang: Stefanie und Rainer. Athletiker der ersten Stunde, Läufer, und wissen wie das ist, wenns weh tut.

14km Frühstücksabschnitt: Christian und Marijke. Der Wechsel zur rechten Zeit. Diesmal zu Fuß und nicht auf dem Rad, aber sehr diszipliniert mir die Trinkflasche mit Iso jeden verdammten Kilometer and den Hals zu setzen.

20km in die Mittagshitze: Lothar. War so aufgeregt er könnte verschlafen, dass er einfach gar nicht geschlafen hat. Tapfer viele Stunden sein Ebike neben mit hergeschoben.

Bis zum Orangen Ende: Tomme. Als Apotheker mit medizinischen Skills, und Antreiber, zumindest den letzten Kilometer noch ins Laufen zu kommen.

Ohne Euch hätte ich das nicht geschafft. Niemals.

Die Strecke: Von Herdecke über Witten, Bochum, Essen, Mühlheim und Duisburg bis zum Rheinorange entlang des Ruhrtalradwegs

Start um Mitternacht in Herdecke, über Wetter an der Ruhr, Witten, den Kemnader See bei Bochum, Hattingen, den Baldeney See in Essen-Werden, Mülheim an der Ruhr bis zur Ruhrmündung in Duisburg. Dort, wo die Ruhr in den Rhein fließt, steht die Rheinorange 25 Meter hoch, 83 Tonnen schwer und daamit auch das Ende des Ruhrtalradwegs.

Kapitel 1 

Der Tag davor – Samstag 23.05.2026

Morgens normal aufgestanden, ging es darum die letzten Vorbereitungen zu treffen und alles zusammen zu packen, bzw das Gepackte nochmals zu kontrollieren. Wechselklamotten, Schuhe, Socken, Startnummernband, Trikot, Laufbrille, Laufleuchte für die Nacht frisch aufgeladen. Das Iso vorbereiten, Kanister mit knapp 4 Liter. Mischung nach Rezept, getunt mit Sporttee Geschmack Mango. Dazu noch Wasserflaschen, heißes Wasser für Kaffee/Brühe, Coke, Gels, Tost mit Nutella, Obst, Riegel, Süßigkeiten. Möglichst viel Abwechslung, wer weiß auf was man Appetit bekommt. Hauptsache Kohlenhydrate.

Am späten Nachmittag dann auf Richtung Herdecke. Mann ist das heiß heute, über 30 Grad. Die armen Verrückten die seit 8 Uhr auf der 230km Strecke sind. Ich checke immer wieder die WhatsApp Gruppe von Axel, hoffentlich geht’s im gut und er kommt da gut durch. Auch mit Andi mit i in Kontakt, Start der 100Miler ist 18 Uhr. Da sind wir noch im Auto, aber schon fast am Start.

Dort angekommen guten Parkplatz gefunden, der VP wird noch aufgebaut. Es wird getuschelt dass die Führungsgruppe der 230er nicht mehr weit weg ist. Das sind gerade mal 10 Stunden für 130km. Verrückt, in der Hitze.

Michi und ich gehen durch die kleine Altstadt, suchen noch ein Restaurant. Letztes Carboloading. Naja eher nicht, will nicht mehr viel essen was zu arg belastet. Salat tuts auch, Alkoholfreies Weizen dazu, ist isotonisch.

Dann geht’s wieder zum Start, ich versuche mich nochmal etwas hinzulegen und auszuruhen, eigentlich sollte es ja noch ein Schläfchen sein am Nachmittag, aber die Ruhe dazu finde ich nicht.

Dann meldet sich Janine. Sie ist auf dem Weg, hat ihr Auto in Hattingen abgestellt und ist mit dem Rad unterwegs. Etwas später dann die Sprachnachricht: Sie hat einen Platten. Welchselschlauch ja, Mantelheber nein. Was tun?

Mittlerweile ist der Startbereich gut gefüllt, die Sonne untergegangen, die Nacht beginnt. Ich frage herum, ob irgendwer mit Werkzeug ausfehlen kann. Ich ziehe mich um, Michi fährt Janine entgegen. Das Auto ist knatsch voll mit VP Kisten. Ob die das vor Ort repariert bekommen?

Die nächste Nachricht ungefähr um 23 Uhr. Sind auf dem Weg, ca. Viertelstunde da. Um 23:20 kamen sie dann endlich. Das Rad aber immer noch platt. Ich frage die netten Jungs ob sie behilflich sein können, gehe dann zum Prestart meeting. 23:58 Uhr, nochmal zum Parkplatz. Janine sitzt auf dem Rad, fährt eine Runde im Kreis, Material passt. Gott sei Dank!

Kapitel 2  Der Start

Punkt Mitternacht setzt sich die Horde in Bewegung. Ist anders als bei einem Marathon, wo jeder ganz hektisch direkt in Racepace kommt. Ultras sind da viel entspannter, man quatscht, setzt die Füße sehr behutsam voreinander. Es bilden sich immer wieder neue kleine Grüppchen, man redet viel miteinander. Eine ganz andere, sehr schöne Erfahrung.

Der Prolog führt einmal um den See, da es sonst nur 95km wären. Das geht natürlich nicht. Nach einigen Kilometern ist Janine an meiner Seite, sie war mit den anderen Radbegleitern am Ende des Feldes hinterher gefahren um niemanden zu behindern.

Vom drumherum sieht man gar nichts, entlang des Radweges ist es zappenduster. Janines Aufgabe, mich ordentlich einzubremsen, ist gar nicht so nötig. Ich habe die Pace immer im Blick und halte mich strikt an die Vorgabe. An einer Stelle geht es steil bergab, dann durch einen längeren Tunnel durch. Janine ist etwas traurig das nicht gefilmt zu haben. Ein paar tolle Eindrücke unterwegs gelingen ihr dennoch.

An der ersten VP steht Michi schon bereit, direkt an Bahnübergang. Da wir vorher schon leicht abgebogen sind, haben wir uns fast verpasst, dank Standortteilens finden wir uns aber gut. 2 Trinkflaschen eingepackt, Schuhe gewechselt, weiter geht’s.

Dier erste offizielle VP ist der Knaller. Es gibt Lagerfeuer, riesige Auswahl an Essen und Getränken. Ich verliere mehr Zeit als gewollt, da es nur 1 Herrenklo gibt, das besetzt ist, und dann noch jmd vor mir. Die VP Pausen sind insgesamt ein großer Zeitverlust, das habe ich nicht so arg eingeplant. Macht aber nix.

Weiter geht es, und nach einer Welche biege alle Läufer um uns herum rechts ab, der Radwanderweg führt aber geradeaus. Wir folgen der Menge, sind uns aber sehr unsicher. Entlang der Karte scheint das ein Umweg zu sein. Es stellt sich dann aber heraus: der offizielle Radwnaderweg führt hier über eine Fähre. Die fährt erst ab 9 Uhr morgens. Also alles richtig.

Witzig die Stelle, an der Wildcamper das Zelt öffnen: „Was denn das hier für ein Event?“ Sorry Jungs, wird keine einsame Nacht für Euch!

Einer Läuferin ist die Lampe ausgegangen, sie irrt sehr vorsichtig den Weg entlang. Ersatz habe ich nicht dabei, wir laufen ein Stück zusammen, sie fällt aber dann zurück. Durch den Halbmond wird es auf den Feldern schon bald wieder möglich, sich auch ohne Lampe zurecht zu finden.

Die nächste VP, ich freue mich Michi zu sehen. Auch Sandy ist da. Toll, dass so viele ehemalige TorTourer diesmal als Betreuer dabei sind. Das ist Runingfamily at ist best!

Die Sonne geht langsam auf, die Umwelt um uns herum erhellt und füllt sich mit Leben. Es liegt Tau auf den Feldern, die Luft ist klar. Ich habe mittlerweile ein Longsleeve übergezogen, da es doch ein wenig frisch ist. Das Teil hatte Janine im Gepäck, kam aber irgendwie in die Speichen. Den linken Ärmel hats etwas zerfressen. Wie sagt man, jeder Krieg fordert seine Opfer 😊

Nun ereilt mich ein anderes Problem: Ich muss mal. Naja so richtig. Offiziell total verboten und ein Grund zum DNF. Dixies stehn aber nirgends und insgesamt gab es nur 2 Möglichkeiten auf insgesamt 100km. Also was tun? 2x um die Ecke, Tempos aus der Tasche und dann, naja, Tempo geben.

Kapitel 3 der erste Marathon ist rum


Der nächste VP, 38km schon geschafft. Janine hat ihre Sache ganz großartig gemacht, sie übergibt nun an Rainer und Stefanie. Ich wechsle nun erstmals die Socken, da die schon ziemlich durchgeschwitzt sind. Bei Ultras ist es zuallererst zu vermeiden, sich Blasen zu holen. Das kann einem alles ruinieren. Auch wenn das alles recht viel Zeit kostet, das muss sein.

Frisch ausgerüstet geht’s wieder auf die Strecke. Es ist nun schon hell, aber noch angenehm kühl. Steffi und Rainer unterhalten mich prima, wir quatschen über alles was uns einfällt, über Athletik und wie es dazu kam, aber das Laufen und alles drum herum. An einer weiteren offiziellen VP verbringe ich nochmal etwas zu lange auf dem Klo, das sollte es dann aber auch gewesen sein für den Rest des Tages. Da hatten wir ungefähr 6 Uhr früh.

Entlang des Radweges sind nun auch immer mehr nicht-Tortourer unterwegs, vor allem Rennradfahrer. Mitunter ist der Weg etwas schmal, und man muss sich gegenseitig respektieren. Mir gehts prima, keine Probleme, das leichte Ziehen in den Beinen ist Teil des Geschäfts, es ist da, behindert oder stört aber nicht. Ich komme gut voran, und bin guten Willens und gut gelaunt. Nur dem Zeitplan hinke ich bereits gut eine Stunde hinterher. Die vielen kleinen Pausen fordern ihren Tribut. Das zeigt sich auch darin, dass ich dieselben Mitstreiter immer und immer wieder überhole. Es ist ein Konzept, deutlich weniger Pausen, dafür konstanter noch langer zu laufen. Da muss ich zugeben, meins ist das nicht. Ich genieße dann lieber den Moment, mich ein paar Minuten hinzusetzen. Man denkt dann auch gar nicht an das Ziel in Duisburg sondern, immer nur von VP zu VP. Das ist kurzweilig und vom Kopf her auch viel einfacher.

Kapitel 4 der beste Abschnitt

Nun ist auch schon die erste Hälfte geschafft. Es ist ungefähr 8 Uhr früh, und der nächste Wechsel steht an. Christian, Marijkes Mann, winkt mich auf den Parkplatz ein. Ich muss zugeben, in seinem Polyester Trainingsanzug mit Sonnenbrille hab ich ihn erst gar nicht erkannt. Nun wird es langsam warm, ich ziehe mich um. Ein großes Grüppchen umringt mich geradezu, Rainer gibt Tipps, der andere Christian, der mich auf den nächsten Abschnitt begleitet, ist nun auch da. Michi bedrängt mich mit allem was sie im Kofferraum hat, essen essen essen. Es erinnert ein bisschen an früher, bei Oma zu besuch. Da musste ich auch immer erstmal 3 Teller killen, bis sie zufrieden war. Es fällt mir schwer bei so langer körperlicher Aktivität etwas zu mir zu nehmen. Das ist anstrengend, und ich empfinde keinen Appetit. Ohne Treibstoff im Tank funktioniert der Motor aber nicht. Ich habe dann Cola, Brühe, Salzstangen genommen. Marijke hat meine Arme und den Nacken mit Sonnencreme lasiert, ich habe dann auch die Kappe aufgesetzt. Christian hat Gels und Trinkflaschen eingepackt, Rainers Maßgabe: ALEX TRÄGT NICHTS! DAS IST UNSER JOB!

Leute ich hab Euch alle so lieb!!!

Und weiter gings mit Christian und Marijke. Interessanterweise war dieser Abschnitt gefühlt der Beste von allen. Ich hatte einen guten Rhythmus, wir sind sogar etwas schneller geworden und ich habe ein wenig Zeit gut gemacht. Kurze Schreckmoment: Marijke kommt auf die seitliche Wegbegrenzung und knickt um, fällt hin. Zum Glück aber nix passiert.

Die Strecke führt zum Baldeneysee und um ihn herum. Dort ist zur Morgenstunde alles sehr belebt, viele „normale“ Läufer (nein, keine Jogger wohlgemerkt!), Familien, Spaziergänger.

Christian nimmt seinen Job super ernst, an jedem Kilometer gibt er mir die Trinkflasche und fordert auf zu trinken. Auch 1-2 Gels nehme ich unterwegs.

Am nächsten offiziellen VP dann ein Schild, welches die Unwirklichkeit dieses Unterfangens mit ein bisschen Sarkasmus perfekt einfängt: Ab hier nur noch ein Marathon!

In Essen kurz vor der großen Brücke zum Hauptbahnhof dann ein wenig Verwirrung – wo ist der Weg? Hm wir müssen die Treppe hoch. Treppen mag ich gar nicht. Nach knapp 67km noch viel weniger. Nun sind es aber auch nur noch ein paar hundert Meter, und auch dieser Abschnitt ist geschafft. Danke Euch beiden für die Begleitung!

Kapitel 5 jetzt wird’s schwer

Relativ abrupt fangen meine Beine an, zu zu machen. An der VP warten schon Lotar und Michi. Lothar hatte ein wenig Panik zu verschlafen oder zu spät zu sein oder die Punkt nicht zu finden, dass er kaum geschlafen und schon viele Stunden zu früh vor Ort war. Top ausgerüstet mit 2 großen Packtaschen und Ebike soll er mich die kommenden 20km begleiten.

Den Kanister mit Iso füllt Marjike noch neu auf, 4 Liter sind aufgebraucht. Pulver und Wasser haben wir vorbereitet, das sollte jetzt bis zum Ziel reichen.

Wir verabschieden uns von Christian und Marike. Die Pause wird nochmal etwas länger, nochmal Sonnencreme drauf, Michi gibt Lothar die Musikbox mit, zur Abwechslung.

Wir machen uns langsam auf den Weg, und diesmal ist es wirklich langsam. Ans Laufen komme ich kaum noch, ab jetzt wird es ein Wandern.

Lothar ist super geduldig, lässt eine Playlist laufen (er ist über 70 und hat einen Easy Listening Trance Musik Geschmack – wer hätte das gedacht?)

Mir tut das schon leid, es sind noch etwas über 30km und mir kommt der Gedanke, wenn ich das jetzt nur noch wandern kann, wird das noch ein langer Tag. Von dem Ursprünglichen Plan sind wir zwar aufgrund des guten letzten Abschnitts gar nicht mehr so weit weg, aber von Aufholen oder auch noch diesen beizubehalten, ist nicht mehr zu denken.

Ein paar Kilometer weiter sehen wir Michi nochmal. Es wird nun wirklich sehr sehr warm, und ich ziehe meine Kühlweste an. Die hab ich letztes Jahr erstanden, man tränkt sie in Wasser und durch die Verdunstung kühlt man ab, ohne dass sie wirklich nass ist. Hat mich den Tag über gerettet.

Über viele Wege, Brücken hoch und runter, entlang von Feldern und kleinen Wohngebieten, zieht es sich nunmehr. Die Kilometer werden kaum weniger.

An der letzten VP gabs dann auch die Meldepflicht – der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass unterwegs niemand verloren geht, wird hier genüge getan. Gerade bei den Bedingungen kann jederzeit etwas passieren. Man darf nicht vergessen, dass man sich eine extreme Belastung zumutet. Auch mit der besten Vorbereitung und ärztlichen Attest, ein bisschen Risiko bleibt. Wie sich herausgestellt hat, gab es eine DNF Quote von über 50% auf der 230km Distanz. Kommt nicht von ungefähr!

Nach der VP gab es wieder Unstimmigkeiten über die Route. Wir folgen der extra Tortour Beschilderung, andere wiederum folgen dem Zeichen des Radweg. Diesmal geht beides, allerdings einmal mit Schatten, und einmal mit knaller Sonne.

Da sich der letzte Wechsel zeitlich schlecht einschätzen lässt, Tomme aber schon auf uns wartet, fasst er den Entschluss uns entgegen zu laufen. Nach einiger Zeit freue ich mich ihn zu sehen. Er hat ein Cooltowel dabei, ähnliches Material wie meine Weste. Das ziehe ich mir erst über die Schulter, später dann unter die Kappe über den Kopf. Jede Kühlung tut gut. Tomme ist ein guter Typ, er weiß aber auch wie er mich triggern kann. Kleine Spitzen, dass er noch Termine hat und wir mal Gas geben können, nehme ich gerne auf.

An dieser Stelle denke ich an Walle, Gott hab ihn Seelig. Ja mein Freund, dies ist eine Laufveranstaltung!

Nach langer Zeit treffen wir Michi an der VP. Ich bin groggy, falle in den Stuhl und lehne mich zurück, mache auch kurz die Augen zu. Nur einen Moment durchatmen. Alles tut weh.

Michi gibt mir wieder Brühe und Cola. Es ist schwer das zu nehmen was notwendig ist, um auch noch die letzten 13km zu schaffen. Danke an Lothar, für Deine Geduld mit mir! Hast was gut.

Kapitel 6 Tomme bringt mich durch

Ich wechsle auf meine Sandalen. Habe das Gefühl, dass die Füße explodieren, alles ist heiß. Ein paar hundert Meter weiter werden wir von Läufern überholt, einer sagt noch „Sandalen bist Du verrückt?“ Naja so richtig klarstellen kann ich das nicht, da sind die Jungs schon weg. Ganz langsam geht es weiter, ein Stück an der Autobahn entlang. Brücke runter, einen langen Feldweg entlang des Ruhr. Was ist den n das für ne Party am Ufer? So richtig sehen kann man zwar nichts, aber sieht komisch aus. Wir mutmaßen eine Pornoproduktion. Natürlich, was sonst.

Nur ein paar Kilometer weiter treffen wir Michi nochmal. Die Sandalen tausche ich gegen ganz leichte Natural Running Schuhe. Fühlt sich beengt an, aber ich brauche Abwechslung. Wir kommen ganz langsam sogar ins Laufen zurück, wohl aber nicht sehr weit. Tomme hat schon angekündigt, wenn er der Meinung ist, es wird gefährlich und ich fange an zu wanken oder halluzinieren, nimmt er mich raus. Gesundheit geht vor. Michi meint noch bloß nicht so kurz vor dem Ziel! Aber so weit ist es nicht, fürn blöden Spruch sind wir beide noch gut zu haben und „kurzweilen uns“ bis zum Hafenbecken in Duisburg. 2 Fahrradfahrer rufen uns zu, der erste „nur noch 3km, der zweite etwas später „nur noch 6km“. Ja was denn jetzt? Für diese Art unkonkrete Angaben fehlt mir dann doch das Verständnis.

Meine Laufuhr muss ich stoppen, Akku leer. So schade, hätte gern den ganzen Track komplett gehabt. Aber was solls, ich bin ja da und Zeugen gibt’s auch genug.

Ein letztes Mal sehen wir Michi, letzte Parkmöglichkeit, bevor es über das Industriegebiet zum Rheinorange geht. Sie geht mit uns mit, und nach weiteren 1-2 Kilometern sehe ich endlich das weiße Industriegebäude. Abbiegen, und links auf den Deich. Da ist das verdammte Ding!

Wie ich es Tomme versprochen habe, die letzten 1.000 Meter werden gelaufen. Die Leute an der Seite klatschen, ich sehe einige Finisher die schon ihre Medaille tragen. Gleich hab ich sie auch. Tomme zückt die Handycam, es geht das letzt Stück Deich runter, der Ansage am Mikro rockt irgendwas, die Musik läuft, und erleichtert hämmere ich auf das Rheinorange ein. Done. Wahnsinn. 18:18 Uhr

Das erlebt zu haben. Das überstanden zu haben. Unglaublich. Erleichtert.

Tomme und Michi gehen zurück das Auto holen, ich lege mich auf eine Parkbank. Obwohl es immer noch sehr warm ist, wird mir kalt. Ich stehe auf und gehe zur Straße, setze ich mich einen Stein in die Sonne. Ein paar Läufer aus Ulm (war es Ulm?) geben mir ein Radler und einen Apfel. Super Sache.

Kapitel 7 Heimweg

Im Auto merke ich wie die Kraft entschwindet. Wie mir die Augen zu fallen. Noch eben bei Mama vorbei, die Mietzimau abholen. Zu Hause angekommen der längste Weg zur Dusche jemals. Badewanne – ja wäre schön, käme aber weder rein noch raus. Dusche ist cool. Dann ins Bett, keine 2 Minuten später dann ab ins Trauland.

Und dann? 4 Uhr morgens. Meine Katze ist es scheißegal was ich gemacht habe Sie hat Hunger. Sofort. Ganz schlimm. Also Treppen. Und ja eigentlich ging es sogar schon wieder ein wenig.

Fazit

Ein Abenteuer. 18Stunden, 18 Minuten. Dankbar und stolz das erlebt haben zu dürfen. Muss ich das nochmal haben? Nein. Der TorTour durfte ich persönlich Adieu sagen.

Und komme zu dem Schluss, dass 42,195km eigentlich doch wirklich genug sind.