TORTOUR DE RUHR 2026
Adieu Edition TTdR160 / 100 Meilen
Ein Erlebnisbericht vom DER ANDI MIT I
Auf einen Blick
Distanz: 160,9 km (100 Meilen) Start Arnsberg, Ziel Rheinorange Duisburg
Gesamtzeit: 26 Stunden 44 Minuten 06 Sekunden
GPS Aufzeichnung: 163,4 km (Garmin Fenix Solar 6, GPS Drift bei Ultras normal)
Wetter: Sonnig, bis zu 29 Grad Celsius
Startzeit: 18:00 Uhr Arnsberg, Zieleinlauf 20:44 Uhr Duisburg
Läufer: Corinna und Andreas
Traum-Crew: Marius, Susi und Stefan später dann auch Corinna
Veranstalter: Jens Witzel / TTdR 2026 Adieu Edition

Vorgeschichte
Die Planung ab Februar 2026
Große Ziele brauchen große Vorbereitung. Bereits im Februar 2026 haben Corinna und ich gemeinsam eine detaillierte Rennstrategie erarbeitet. Unser Ziel: eine Zielzeit von 24 bis 25 Stunden ambitioniert und auf Basis unserer bisherigen Ultras absolut realistisch.
Die Strategie war klar: defensiv starten, die ersten 60 Kilometer bewusst unter dem gefühlten Niveau laufen und die Kraft für die zweite Hälfte konservieren. Die größte Gefahr bei einem Flachlauf wie der TTdR ist nicht die Distanz es sind die ersten 60 Kilometer, die sich so leicht anfühlen, daß wir ggf. den Fehler machen, zu schnell zu laufen. Wenn wir auf den ersten 40 Kilometern zu druckvoll unterwegs sind, zahlen wir zwischen Kilometer 110 und 150 den Preis.
Unsere geplante Bewegungspace lag bei 8:35 bis 8:50 min/km, mit kurzen Gehphasen an den Verpflegungspunkten. Gesamte Pausenzeit: maximal 60 bis 70 Minuten über die gesamte Strecke. Jeder VP-Stopp sollte kurz bleiben der größte Zeitfresser bei Ultras sind nicht die Beine, sondern zu lange Standzeiten.
Tatsächlich sind wir dann mit einer Gesamtzeit von 26:44 Stunden ins Ziel gekommen etwas über unserer ursprünglichen Planung, aber mit allem, was auf der Strecke passiert ist, ein absolut würdiges Ergebnis.
Die Strecke: Von der Ruhrquelle bis zur Ruhrmündung (230km) wir ab Arnsberg 160km
Die TTdR160 folgt durchgehend dem Ruhrtal Radweg flussabwärts immer von Ost nach West, immer der Ruhr entlang. Start in Arnsberg, dann durch Oeventrop, Wickede, Fröndenberg, Menden, Schwerte, Herdecke, Wetter an der Ruhr, Witten, den Kemnader See bei Bochum, Hattingen, den Baldeney See in Essen-Werden, Mülheim an der Ruhr bis zur Ruhrmündung in Duisburg. Dort, wo die Ruhr in den Rhein fließt, steht die Rheinorange 25 Meter hoch, 83 Tonnen schwer und wartet auf jeden, der es bis dahin schafft.
Die Strecke ist flach, fast durchgehend auf gut befestigten Rad- und Uferwegen, und genau darin liegt ihre Tücke: Die gleichmäßige, monotone Belastung auf Asphalt und Schotter ist eine andere Herausforderung als ein Bergultra. Keine Steilstufen, keine Kletterpassagen dafür 160 Kilometer, bei denen die gleiche Muskelgruppe immer wieder auf dem gleichen Untergrund arbeitet.
Kapitel 1
Der lange Weg nach Arnsberg
Es gibt Momente, in denen mir schlagartig bewusst wird, was ich mir da eigentlich eingebrockt habe. Für mich war dieser Moment auf der Rückbank eines Autos irgendwo auf der Autobahn zwischen Duisburg und Arnsberg. Wir fuhren zum Start. Zu dem Punkt, den wir auf zwei Beinen wieder erreichen wollten. Dieselbe Strecke, dieselbe Asphaltlänge, die der Tacho gerade runterzählte und meine Beine später hochzählen mussten.
Der Plan war einfach: Die Traum-Crew bestehend aus Susi, Stefan und Marius sowie Corinna und ich trafen uns alle fünf in der Nähe der Rheinorange in Duisburg, stellten unser Auto dort ab schließlich sollte das unser Ziel sein und fuhren dann gemeinsam Richtung Arnsberg zum Start. Corinna, meine liebe Frau, Marius, ihr Sohn, und unsere beiden fantastischen Freunde Susi und Stefan füllten das Auto mit guter Stimmung. Fast zwei Stunden Fahrt lagen vor uns. Ich bin normalerweise laut, extrovertiert, ein großes Mundwerk, das selten Pause macht.
Und auf dieser Fahrt war ich ungewohnt still. Irgendwann fragte mich Corinna:
Alles in Ordnung?
Mir wird gerade bewusst, was das für eine scheißlange Strecke ist.

Fast zwei Stunden Autofahrt und genau diese Strecke wollten Corinna und ich danach auf zwei Beinen zurücklegen.
Angekommen an der Sporthalle „Große Wiese“ in Arnsberg empfing uns eine Atmosphäre, die alle Zweifel sofort auflöste. Hunderte Läufer, jede Menge Supporter, viele bekannte Gesichter aus der Ultraläuferszene gekoppelt mit einer Energie, die uns sofort unter die Haut ging. Die TTdR230 Starter, die bereits morgens um acht Uhr in Winterberg losgelaufen waren, wurden mit frenetischem Applaus empfangen. Unter ihnen unser Vereinskamerad Axel, ebenfalls auf der 230 km Strecke. In Arnsberg haben wir ihn leider nicht getroffen er war zum Zeitpunkt des Briefings noch unterwegs Richtung Arnsberg.
Jens Witzel erklärte die letzten Details. Die Nervosität und Spannung stiegen spürbar. Für Corinna und mich ging es um 160,9 Kilometer bzw. 100 Meilen. Corinnas bisherige Bestleistung: 120 km. Meine: 110 km, damals beim Mad Chicken Run in Hänchen bei Cottbus übrigens ebenfalls gemeinsam absolviert, noch bevor wir ein Paar waren. Peter Buschack, der Veranstalter des Mad Chicken Run, war bei der TTdR von Winterberg aus am Start. Er ist einer der Menschen, die uns einst mit dem Ultrafieber infiziert haben.
Kapitel 2
Prolog und erste Kilometer gemeinsam
Der Startschuss fiel um 18:00 Uhr. Corinna und ich Seite an Seite, wie bei so vielen tausend Kilometern zuvor. Erst der Prolog: acht Kilometer durch Arnsberg, bevor es auf den eigentlichen Ruhrradweg ging. Bei Kilometer acht bis neun wartete unsere Crew kurz zum Anfeuern keine Pause, nur ein aufmunternder Zuruf, und weiter ging es.
Nur noch 152 Kilometer sagte ich grinsend, als wir den Prolog hinter uns hatten.
Bei herrlichem Wetter und toller Stimmung starteten wir in die eigentliche Distanz gemeinsam mit vielen anderen Läufern. Das Läuferfeld war zu diesem Zeitpunkt noch recht dicht. Um 19:07 Uhr passierten wir die 10 km Marke, um 20:27 Uhr den Halbmarathon. Wir lagen gut in der Zeit.
Bei Kilometer 25, irgendwo zwischen Fröndenberg und der Ruhr, warteten Susi, Stefan und Marius bereits auf uns das erste Crew Treffen um kurz nach 21:00 Uhr. Lauwarmes Malzbier und andere Getränke, etwas zu essen. Ich beschwerte mich leise, daß das Malzbier viel zu warm war und trank es trotzdem. Wir waren guter Dinge.
Corinna griff entschlossen zu einer Nutella Schnitte. Was sich als mittelgute Idee herausstellen sollte. Bei Kilometer 32, kurz vor Schwerte zweites Crew Treffen gegen 22:21 Uhr. Noch immer gute Laune, noch immer gutes Tempo. Lustig war dabei, dass überall, wo unsere Crew stand, auch andere Supporter Teams auf ihre Läufer warteten denn die Tortour der Ruhr setzt grundsätzlich ein Begleitteam voraus. Ohne Crew kein Start. Das schafft eine einzigartige Gemeinschaft entlang der gesamten Strecke.
Ab Kilometer 32 plagten Corinna massiver, anhaltender Schluckauf, Sodbrennen, Magenschmerzen und ein Druckgefühl in der Brust. Bei Ultras kennen wir verschiedene Unannehmlichkeiten und laufen einfach weiter. Diese Art der Beschwerden war neu. Und dieser Schluckauf wollte nicht aufhören. Wir nahmen das Tempo raus. Kurz nach Mitternacht um 00:02 Uhr passierten wir die erste Marathon Marke bei Kilometer 42.
Kapitel 3
Schwerte, die Nacht und Corinnas schwere Entscheidung
Gegen 01:11 Uhr, bei Kilometer 48, erreichten wir in der Nacht den VP Schwerte an einem Pferdestall. Zwischendurch waren wir auch Axel begegnet und hatten über ein paar Kilometer Zeit, uns ein bisschen auszutauschen. Auch an diesem Pferdestall war Axel inzwischen angekommen. Corinna ging es zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht. Wir liefen noch zwei weitere Kilometer bis zum nächsten Crew Treffen bei Kilometer 50, wo Marius bereits eine Notfallapotheke aufgesucht und ein Magenmittel besorgt hatte. Nach einer Pause von etwa 25 Minuten, etwas Stärkung und einem weiteren Versuch starteten wir nochmals.
Bei Kilometer 53 gegen 02:16 Uhr war dann klar: Es geht nicht mehr. Eine andere Crew, die zufällig vor Ort war, kümmerte sich ganz liebevoll um Corinna, bis unsere eigene Crew sie dort abholte. Das war übrigens eines der Dinge, die diese TTdR auszeichnet. Hier hat jeder jedem geholfen, wenn es notwendig war ermutigende Worte, Unterstützung, immer wieder Motivation. Gemeinsam trafen wir die Entscheidung, daß Corinna das Rennen beendet. Es war die richtige Entscheidung wenngleich sie für Corinna eine traurige wie auch schwere war.
Ab Kilometer 53 lief ich dann allein. Es war tief in der Nacht, etwa 2:30 Uhr morgens. Allein auf dem Ruhrradweg, durch die Dunkelheit, vorbei an stillen Wäldern und schwarzen Wasserflächen. Kein Geräusch außer meinen eigenen Schritten und dem leisen Rauschen der Ruhr. Keine Crew, keine Corinna, kein aufmunterndes Gesicht am Streckenrand. Nur der Lichtkegel meiner Stirnlampe, der sich Meter für Meter durch die Nacht fragte, ob ich eigentlich noch ganz bei Trost bin. Zwischendurch hatte ich Gespräche mit anderen Läufern oder mit Partypeople, die unterwegs waren und gefeiert haben lustige und motivierende Begegnungen in der Nacht. Diese Momente waren Gold. Zwischen diesen Inseln der Menschlichkeit aber war ich ganz allein mit meinen Gedanken und meinen Kilometern und der stillen, dunklen Ruhr, die einfach weiterfloss, unbeirrt, gleichgültig, unaufhaltsam. Genau wie ich.
Bei Kilometer 64 gegen 03:45 Uhr, kurz vor Herdecke, traf ich meine Traum-Crew für eine kurze Versorgung und lief weiter. Bei Kilometer 68 um 04:24 Uhr erreichte ich den VP in Herdecke, wo gleichzeitig die langsameren Hunderter Starter bereits auf der Strecke waren. Dort gönnte ich mir eine kleine Pause: eine Handvoll Nudeln, eine Scheibe Wassermelone. Mehr ging nicht. Ich hätte eigentlich Hunger bis unter beide Arme haben müssen. Der Appetit hielt sich jedoch in Grenzen. Den nächsten Crew Stopp gab es bei Kilometer 74 um kurz nach 05:20 Uhr, dann lief ich weiter allein in Richtung Witten immer wieder mit Begegnungen anderer Läufer.

Kapitel 4
Corinna kehrt zurück
Bei Kilometer 84, am Zollhaus Herbede in Witten ca. um 06:45 Uhr, zwei Marathons in den Beinen warteten Corinna und meine Crew auf mich. Corinna stand da mit einem Fahrrad. Und mit diesem Blick, den ich seit Jahren kenne und der keine Diskussion duldet. Sie hatte ihren eigenen Traum in dieser Nacht begraben müssen. Und jetzt stand sie hier, ausgeruht, entschlossen, bereit. Für mich. Verbunden mit einem Lächeln, das alles sagte.
Ab diesem Moment waren wir wieder gemeinsam auf der Strecke. Corinna radelte Kilometer für Kilometer neben mir her. Meine Frau, die gerade ihren eigenen Traum hatte aufgeben müssen, war jetzt meine größte Motivation, das Ding nach Hause zu laufen. Das war kein kleiner Akt. Das war einfach großartig.
Um ca. 09:30 Uhr passierten wir die 100 km Marke. Weiter ging es durch Witten und Bochum. Bei Kilometer 104 gegen 10:25 Uhr erreichten wir die Rudergemeinschaft Linden in Bochum offizieller Verpflegungspunkt, Pause, Stärkung. Immer wieder Begegnungen mit anderen Läufern TTdR160ern wie TTdR230ern und ein Spirit der ganz besonderen Art. Überhaupt wurden wir immer wieder von Spaziergängern und anderen Läufern, die mit dem Rennen nichts zu tun hatten, motiviert und freundlich angefeuert. Bei Kilometer 109 und 114 jeweils kurze Crew Treffen. Und bei Kilometer 119 an der Kampmannbrücke in Essen-Kupferdreh stand das Schild, auf das ich mich bei diesem Rennen schon diebisch gefreut hatte und das auch Jens Witzel tags zuvor beim Briefing angekündigt hatte.
Ab hier nur noch ein Marathon.
Fast 120 Kilometer in den Beinen und „nur“ noch 42 Kilometer bis zum Ziel. 120 Kilometer sind immerhin schon fast drei komplette Marathons. Ich stand an diesem Schild und musste lachen. Laut. Ein Gebell irgendwo zwischen Erschöpfung und völliger Unglaube. Drei Marathons in den Knochen, und jetzt kommt noch einer drauf. Fast schon eine Kleinigkeit. Fast.
Kapitel 5 Baldeney See, Müdigkeitspiroette und der Power Nap
Der Baldeney See in Essen. Eine Strecke, die ich aus dem Training kenne. Viele Male bin ich hier entlanggejoggt: mit meinem Sohn Maximilian, mit meiner Tochter Laura, mit vielen Laufkameraden und natürlich mit Corinna. Diverse Trainingseinheiten bei schönem wie schlechtem Wetter, Sommer wie Winter. Und jetzt, bei Kilometer 120, nach einer langen Nacht ohne Schlaf, lief ich hier wieder. Es fühlte sich fast wie zu Hause an.
Kurz vor Essen-Werden drehte ich eine Müdigkeitspiruette. Nicht metaphorisch, sondern buchstäblich. Ein kleiner Moment der Desorientierung, der Körper wollte sich kurz neu kalibrieren und hatte dabei das Gleichgewicht vergessen. Ich habe mich um die eigene Achse gedreht und wäre beinahe umgefallen. Als wäre das Ruhrtal selbst kurz ins Schwanken geraten. Corinna, unermüdlich neben mir auf dem Fahrrad, fragte sofort, ob mit meinem Kreislauf etwas nicht stimme.
Nein, nein. Ich merke jetzt einfach, daß ich die ganze Nacht durchgelaufen bin. Ich bin müde.
Bei Kilometer 127 ca.13:30 Uhr in Essen-Werden wartete die Crew. Zwei Campingstühle nebeneinandergestellt, Augen zu zehn Minuten Power Nap. Insgesamt eine Pause von über 30 Minuten mit Stärkung und Erholung. Diese zehn Minuten Schlaf haben mich wieder ein Stück nach vorne gebracht. Als ich wieder aufstand, war ich bereit, die letzten Kilometer in Angriff zu nehmen. Die Beine schwer, der Kopf wieder klar.
Bei Kilometer 138 gegen 15:30 Uhr erreichten wir den VP Mintarder Brücke in Mülheim-Mintard. Weiter, immer weiter Corinna unermüdlich auf dem Fahrrad neben mir.
Kapitel 6
Die letzten Kilometer und die Tränen auf dem Deich
Bei Kilometer 148 kurz vor 17:00 Uhr, irgendwo zwischen Mülheim und Duisburg gab Corinna ihr Fahrrad bei unserer Crew ab. Sie lief. Zu Fuß. An meiner Seite. So wie wir das immer machen Seite an Seite. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr schwach auf den Beinen, das Laufen war längst einem Laufen Gehen Laufen Gehen gewichen. Und Corinna war da.
Marius begleitete uns ebenfalls auf dem Fahrrad, obwohl er ursprünglich schon nach Hause wollte. Er ließ es sich nicht nehmen. Susi und Stefan fuhren voraus direkt zur Rheinorange, um dort auf uns zu warten.
Im Duisburger Hafen angekommen, hätte ich mich ohne Corinna hoffnungslos verlaufen. Ich konnte tatsächlich nur noch einen Fuß vor den anderen setzen. Der Veranstalter hatte orangene Pfeile auf den Boden gesprüht ich hätte sie vollkommen übersehen. Corinna und Marius waren meine Scouts. Sehr schön war auch die Begegnung mit Ines und Wolfgang im Duisburger Hafen, die mich kurz angefeuert haben.
Nach dem Labyrinth des Duisburger Hafens kam er dann endlich. Der Rheindeich. Und irgendwo in der Ferne, fast schon unwirklich klein, die Rheinorange. 25 Meter hoch in Wirklichkeit von hier aus wirkte sie wie zehn Zentimeter. Und sie war da. Sichtbar. Erreichbar.
Ich lief weiter. Und dann stand da auf den Boden mit orangener Farbe gesprüht:
Noch 1.000 Meter.
Die Emotionen überrollten mich. Einfach so. Unkontrolliert, unangekündigt, unweigerlich. Ich weinte. Nicht kurz, nicht diskret. Richtig. Tränen liefen über mein versalztes, seit 26 Stunden ungewaschenes Gesicht, während ich über den Deich tippelte. Ein 60-jähriger Mann, der in der Abendsonne den Rhein entlangschlurft und weint wie ein Kind. Nach über 26 Stunden und knapp 160 Kilometern noch tausend Meter.
Und dann war ich da. Die letzten Meter voller Tränen und unfassbarer Freude. Verbunden mit Stolz, Demut und Dankbarkeit. Und einem Gefühl, das ich bis heute nicht in Worte fassen kann. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Als wäre in diesem Moment, an diesem orangenen Koloss aus Stahl, alles richtig in der Welt.
Jens Witzel, der Veranstalter, stand persönlich am Ziel. Er hängte mir die Medaille um. Es gab ein Foto vor der Rheinorange diesem 25 Meter hohen, 83 Tonnen schweren Koloss aus Stahl, der an der Ruhrmündung über den Rhein wacht. Eine emotionale Videoaufnahme hält diesen Moment für immer fest.

Fazit
Knapp 130 Kilometer Seite an Seite
Nach 26 Stunden, 44 Minuten und 06 Sekunden. Nach 160,9 Kilometern bzw. 100 Meilen. Nach einer Nacht, einem Tag, durch Städte, Felder und Wälder, entlang der Ruhr von Arnsberg bis Duisburg. Mein längster Ultra. Meine bisher größte sportliche Leistung.
Und was wirklich bleibt, ist nicht die Zeit. Nicht die Kilometer. Was bleibt, ist Corinna.
Sie lief die ersten 53 Kilometer an meiner Seite. Als ihr Körper sie zwang aufzugeben, holte sie ihr Fahrrad und begleitete mich ab Kilometer 84 weiter Kilometer für Kilometer, ab dem frühen Morgen den ganzen Tag hindurch, bis Kilometer 148. Dort stellte sie das Fahrrad weg und lief die letzten 12 Kilometer wieder zu Fuß neben mir her. Mit müden Beinen. Mit einem schmerzhaften eigenen Verzicht im Rücken. Und mit einem Lächeln, das mich nie im Stich gelassen hat. Am Ende haben wir von 160,9 Kilometern knapp 130 Kilometer gemeinsam zurückgelegt Seite an Seite, so wie immer.
Hier weiß ich tatsächlich nicht, was ich Passendes schreiben soll, außer dass ich Corinna über alles liebe.
Und dann waren da noch Susi, Stefan und Marius. Drei großartige Menschen ohne jede Erfahrung im Support eines solchen Rennens, die es mehr als professionell gemeistert haben. Mit Herz, mit Hingabe, mit eiskaltem Malzbier zur richtigen Zeit. Ohne die Drei und meine Corinna wäre dieses Abenteuer ganz sicher nicht möglich gewesen.
Ich bin zutiefst dankbar und demütig für dieses Erlebnis.
